Bei der serpentinenreichen Anfahrt zum Roque de Los Muchachos, in einer Höhe von 2.426 Metern, erleben wir alle Vegetationsstufen der Insel. Selbst wenn sich an den Berghängen oberhalb von Santa Cruz die Passatwolken stauen, hat man durchaus Hoffnung auf Sonne in den Hochlagen. Spätestens im Bereich der oberen Kiefernwaldgrenze lichtet sich der Nebel. Unser Ziel liegt oberhalb der Baumgrenze und oberhalb der Wolkengrenze.
Fern der Zivilisation, dichter am Firmament, passieren wir die grösste Sternwarte der nördlichen Erdhalbkugel. Die glänzenden Kuppeln, Spiegel und Teleskope wirken utopisch in dieser kargen Landschaft. Mehrere europäische Länder haben sich zusammen geschlossen, um von diesem prädestinierten Standort aus die Bewegung der Himmelskörper zu observieren.
Die rotbraune Felsformation des Roque de Los Muchachos – dem höchsten Berg La Palmas - thront auf dem Rand der Caldera de Taburiente, einem der grössten Erosionskrater der Welt. Auf diesem Bergkamm verläuft unsere Wanderung.
Beim atemberaubenden Blick in den Riesenkrater, können wir fast 2.000 m tief bis zum Taburiente-Fluss schauen. Von hier oben, fast aus der Vogelperspektive, lässt sich die Entstehung La Palmas besonders gut erklären. Wo sich heute der Kessel der Caldera befindet, erhob sich vor ca. 1 Million Jahren ein 3.500 m hoher Berg.
Das Panorama schliesst den grünen Norden mit seinen Hügeln, Schluchten und wenigen Gehöften ein.
Unser Pfad wurde früher benutzt, um aus dem Norden in die Hauptstadt zu kommen. An einer Stelle erinnert ein Kreuz an einen Palmero, der dort im letzten Jahrhundert von seltenem Schneefall überrascht wurde und erfror.
Auf der anderen Seite des Kessels schliesst der Pico Bejenado das weite Rund der Caldera. Dahinter die Cumbre Vieja, die sich mit ihren vielen Vulkankegeln bis in den Süden der Insel zieht. In der Ferne sieht man die Nachbarinseln El Hierro, La Gomera und Teneriffa, das sich meist nur mit der Spitze des Teide zeigt. Diese eindrucksvolle Gratwanderung endet nach 3,5 Stunden am Pico de La Cruz.